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Wissen

Was ist Leichte Sprache?

Definition, Regeln, Gesetze und der Unterschied zur Einfachen Sprache. Alles Wichtige für Verwaltungen und Organisationen, die niemanden ausschließen wollen. 

Aktualisiert: September 2026DIN SPEC 33429:2025-03BFSG seit 28.06.2025
Definition

Was ist Leichte Sprache?

Leichte Sprache ist eine stark vereinfachte Form der deutschen Sprache auf dem Kompetenzniveau A1 bis A2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens. Ihr Ziel ist, Informationen für alle Menschen zugänglich zu machen, unabhängig von Lesekompetenz, kognitiven Fähigkeiten, Sprachkenntnissen oder Lebenssituation.

Schätzungen zufolge sind in Deutschland rund 14 Millionen Menschen darauf angewiesen, dass Informationen verständlich aufbereitet werden. Dazu gehören Menschen mit Lernschwierigkeiten, mit kognitiven Beeinträchtigungen, mit erworbenen Sprachstörungen und Menschen mit geringen Deutschkenntnissen.
Grafik mit den Sprachniveaus A1, A2, B1 und B2 als ansteigende Säulen. Leichte Sprache umfasst die Niveaus A1 und A2, Einfache Sprache die Niveaus A2 und B1.
Sprachniveaus nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER). C1 und C2 entsprechen der Standardsprache.
Wichtig: Leichte Sprache ist kein geschützter Begriff. Über Jahre existierten mehrere Regelwerke nebeneinander. Seit März 2025 gibt es mit der DIN SPEC 33429 erstmals einheitliche Empfehlungen.
Vergleich

Leichte Sprache oder Einfache Sprache

Die beiden Begriffe werden häufig verwechselt. Sie unterscheiden sich in Zielgruppe, Sprachniveau, Regelwerk und im Grad der Verdichtung.
KriteriumLeichte SpracheEinfache Sprache
SprachniveauA1 – A2B1 – B2
ZielgruppeMenschen mit Lernschwierigkeiten oder kognitiven BeeinträchtigungenMenschen mit geringer Lesekompetenz oder Deutsch als Zweitsprache, ältere Menschen
RegelwerkDIN SPEC 33429 (2025), Netzwerk Leichte SpracheDIN ISO 24495-1 (2024), DIN 8581-1 (2024)
InhaltsverdichtungStarke Reduktion auf das WesentlicheVereinfachung bei vollständigem Inhalt
BilderEmpfohlen, unterstützendOptional
Rechtlicher BezugÖffentliche Stellen des Bundes (§ 11 BGG, § 4 BITV 2.0)Informationen zu Bankdienstleistungen: höchstens B2 (§ 17 Abs. 2 BFSGV)
PrüfungPrüfgruppen mit Betroffenen empfohlenNutzertests mit der Zielgruppe
Seit März 2025 gibt es mit der DIN SPEC 33429 erstmals einen einheitlichen deutschen Standard für Leichte Sprache. Die DIN SPEC hat Empfehlungscharakter – sie ist keine verbindliche DIN-Norm.
DIN SPEC 33429:2025

Die Regeln der Leichten Sprache

Die DIN SPEC 33429 wurde im März 2025 vom DIN e.V. veröffentlicht, erarbeitet von einem Konsortium aus öffentlicher Hand, Wissenschaft, Design, Übersetzung und Verlagen, gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Entscheidend war die Beteiligung von Menschen mit Lese- und Lernschwierigkeiten. Die Entwicklung dauerte rund fünf Jahre.

Sie umfasst Empfehlungen für Sprache, Gestaltung, Bilder und für den Erstellungsprozess selbst. Die zwölf wichtigsten Empfehlungen im Überblick:

Wörter & Wortschatz
1Einfache Wörter
Alltägliche Wörter bevorzugen. Fachbegriffe und Fremdwörter vermeiden oder direkt im Text erklären.
2Kein Denglisch
 Englische Begriffe ersetzen, wenn möglich. „Computer“ ist bekannt, „Update“ sollte erklärt werden. 
3Keine Metaphern
Sprachliche Bilder wie „den Ball flach halten“ vermeiden. Sie erfordern Übertragungsleistung. 
4Konsistenz
Gleiches immer mit dem gleichen Wort bezeichnen. Synonyme verwirren. 
Sätze & Struktur
5Kurze Sätze
Jeder Satz enthält eine Aussage. Keine Schachtelsätze oder Nebensätze. 
6Aktive Sprache
Passiv vermeiden. „Das Amt schickt Ihnen einen Brief“ statt „Ein Brief wird geschickt“. 
7Kein Genitiv
Genitiv-Konstruktionen ersetzen. „Das Büro von der Stadt“ statt „Das Büro der Stadt“. 
8Positiv formulieren
Verneinungen möglichst vermeiden. Doppelte Verneinungen grundsätzlich nicht. 
Gestaltung & Bilder
9Bilder nutzen
Passende Bilder unterstützen das Textverständnis. Piktogramme und Fotos sind geeignet. 
10Zeilenumbrüche
Sinneinheiten nicht trennen. Zeilenumbrüche an sinnvollen Stellen setzen. 
11Klare Schrift
Gut lesbare Schriftart in ausreichender Größe, linksbündiger Flattersatz. 
12Prüfgruppe

Menschen mit Lernschwierigkeiten prüfen die Texte. Die DIN SPEC empfiehlt, sie früh einzubinden.

Rechtlicher Rahmen

Ist Leichte Sprache Pflicht?

Die kurze Antwort: Für öffentliche Stellen des Bundes gibt es klare Vorgaben. Für Unternehmen kann das BFSG gelten, abhängig vom konkreten Produkt oder der Dienstleistung. Die Entwicklung geht erkennbar in Richtung mehr Verbindlichkeit.

Hinweis: Diese Angaben geben einen allgemeinen Überblick über die Rechtslage und ersetzen keine Rechtsberatung. Ob und in welchem Umfang eine Vorschrift für Ihre Organisation gilt, hängt vom Einzelfall ab.

  1. BGG
    Seit 2002, § 11 seit 2018
    Behindertengleichstellungsgesetz
    Träger öffentlicher Gewalt des Bundes sollen mit Menschen mit geistigen oder seelischen Behinderungen in einfacher und verständlicher Sprache kommunizieren. Auf Verlangen sollen sie Bescheide, Allgemeinverfügungen, öffentlich-rechtliche Verträge und Vordrucke verständlich erläutern. Reicht das nicht aus, erfolgt die Erläuterung auf Verlangen in Leichter Sprache. Die Kosten trägt der Träger öffentlicher Gewalt. 
  2. BITV
    Seit 2011 (aktualisiert 2019)
    BITV 2.0
    Öffentliche Stellen des Bundes stellen auf der Startseite ihrer Website Erläuterungen in Leichter Sprache und in Deutscher Gebärdensprache bereit. Dazu gehören Informationen zu den wesentlichen Inhalten, Hinweise zur Navigation, eine Erläuterung der Erklärung zur Barrierefreiheit und Hinweise auf weitere Angebote in Leichter Sprache oder Gebärdensprache (§ 4 BITV 2.0). 
  3. BFSG
    In Kraft seit 28. Juni 2025
    Barrierefreiheitsstärkungsgesetz
    Verpflichtet Unternehmen, bestimmte Produkte und Dienstleistungen barrierefrei anzubieten. Welche das sind, legt § 1 BFSG abschließend fest. Leichte Sprache schreibt das Gesetz nicht vor. Für Informationen zu Bankdienstleistungen gilt höchstens Sprachniveau B2 (§ 17 Abs. 2 BFSGV). 
  4. DIN
    März 2025
    DIN SPEC 33429
    Erstmals einheitliche Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache, erarbeitet unter Beteiligung von Menschen mit Lernschwierigkeiten und gefördert vom BMAS. Kostenlos als barrierefreies PDF bei DIN Media. 
  5. OZG
    Ab 2029
    OZG 2.0

    Ab 2029 haben Bürger einen einklagbaren Anspruch darauf, Verwaltungsleistungen des Bundes digital zu beantragen. Für die Barrierefreiheit verweist § 7 Abs. 2 OZG auf die BITV 2.0. Eine Pflicht zur Übersetzung in Leichte Sprache folgt daraus nicht.

    Leichte Sprache zahlt sich auch ohne Pflicht aus. Verständliche Texte erreichen neben den 14 Millionen direkt Betroffenen viele weitere Leser, etwa ältere Menschen oder alle, die schnell eine Information brauchen. Jede Rückfrage, die entfällt, spart Ihrem Team Zeit.

Leichte Sprache zahlt sich auch ohne Pflicht aus. Verständliche Texte werden von deutlich mehr Menschen gelesen, nicht nur von den 14 Millionen direkt Betroffenen, sondern auch von Menschen unter Zeitdruck, von älteren Menschen und von allen, die schnell eine Information brauchen. Jede Rückfrage, die nicht gestellt werden muss, spart Ihrem Team Zeit.
Anwendungsbereiche

Wo wird Leichte Sprache gebraucht?

Leichte Sprache ist ein Thema weit über die Verwaltung hinaus. Überall dort, wo Menschen wichtige Informationen verstehen müssen, macht verständliche Sprache den Unterschied.
Öffentliche Verwaltung
Bescheide, Formulare, Website-Texte, Krisenkommunikation. Für Bundesstellen bereits gesetzlich geregelt, Kommunen folgen dem Landesrecht.
Gesundheitswesen
Patienteninformationen, Aufklärungsmaterial, Merkblätter und Beipackzettel. Patienten müssen verstehen, was mit ihnen passiert. Schriftliche Informationen in Leichter Sprache ergänzen dabei das ärztliche Aufklärungsgespräch. 
Finanzen und Versicherungen
Für Informationen zu Bankdienstleistungen gilt höchstens Sprachniveau B2 (§ 17 Abs. 2 BFSGV). Verständliche Verträge reduzieren Rückfragen und stärken Vertrauen. 
Wohlfahrtspflege und Soziales
Beratungsangebote, Hausordnungen, Betreuungsverträge und Informationen zu Leistungen. Menschen mit Unterstützungsbedarf müssen Informationen selbst lesen können. 
Bildung und Schule
Elternbriefe, Schulordnungen, Unterrichtsmaterial in Förderschulen und inklusiven Einrichtungen sowie Berufsausbildung für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen. Verstehen ist die Voraussetzung für Lernen. 
Medien und Kommunikation
Nachrichten, Krisenmeldungen, Pressemitteilungen und Wahlinformationen. Verständliche Sprache sichert demokratische Teilhabe, besonders in Ausnahmesituationen. 
Erste Schritte

Womit fange ich an?

Bewährt hat sich ein Einstieg über die Texte, die am häufigsten gelesen werden und die meisten Rückfragen erzeugen.

Schritt 1: Die meistgelesenen Seiten identifizieren.
Meist sind das Startseite, Kontakt, Öffnungszeiten und die zwei oder drei häufigsten Leistungen.

Schritt 2: Die Standardschreiben prüfen.
Ein Bescheid, der jährlich tausendfach verschickt wird, hat mehr Wirkung als eine selten besuchte Unterseite.

Schritt 3: Eine Prüfgruppe einbinden.
Werkstätten, Wohneinrichtungen, Beratungsstellen und Selbsthilfeorganisationen in Ihrer Nähe sind die naheliegenden Partner.

Schritt 4: Verstetigen.
Leichte Sprache ist eine laufende Aufgabe. Jeder neue Text braucht seine Fassung, sonst veraltet der Bestand.

Aufwand

Was kostet Leichte Sprache?

Klassisch beauftragt rechnen Übersetzungsbüros meist je Normseite ab. Der Preis hängt von der Komplexität ab und davon, ob eine Prüfgruppe eingebunden wird. Dazu kommt eine Durchlaufzeit von mehreren Tagen bis Wochen.

Deshalb bleiben viele Häuser bei einzelnen Projekten, statt Leichte Sprache dauerhaft anzubieten. Wer für jeden Text eine externe Beauftragung braucht, übersetzt am Ende nur das Nötigste.

KI-gestützte Übersetzung verändert diese Rechnung. Der Text entsteht in Sekunden, die verbleibende Arbeit ist die fachliche Prüfung, also genau der Teil, der menschliches Urteil erfordert.

KI und Standard

Darf KI Leichte Sprache übersetzen?

Die DIN SPEC 33429 trifft dazu keine Aussage. Die Arbeit an ihr begann 2020, als KI-gestützte Übersetzung noch keine praktische Rolle spielte. Maßgeblich ist, ob ein Text die Empfehlungen zu Wortwahl, Satzbau, Gestaltung und Prüfung umsetzt, unabhängig davon, wie er entstanden ist.

In der Praxis heißt das: KI übernimmt den Übersetzungsschritt, die Verantwortung für das Ergebnis bleibt bei Ihnen.

Die Empfehlung der DIN SPEC, Menschen mit Lernschwierigkeiten einzubinden, gilt deshalb auch für Texte, deren erster Entwurf von einer KI stammt.

Häufige Fragen

Die wichtigsten Grundlagen kurz beantwortet.

Alles Weitere zu summ.ai finden Sie auf unserer FAQ-Seite.

Gilt Leichte Sprache auch für Kommunen und Länder?

Für Länder und Kommunen gelten eigene Rechtsgrundlagen. BGG und BITV 2.0 betreffen öffentliche Stellen des Bundes. Länder und Kommunen richten sich nach den Landesgleichstellungsgesetzen und den Barrierefreiheitsverordnungen ihres Landes. Ob und in welchem Umfang dort Leichte Sprache verlangt wird, unterscheidet sich je nach Bundesland. 

Braucht Leichte Sprache eine Prüfgruppe?

Gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht, empfohlen schon. Die DIN SPEC 33429 beschreibt die Einbindung von Menschen mit Lernschwierigkeiten als festen Teil des Erstellungsprozesses. Wer das Icon für Deutsche Leichte Sprache verwenden möchte, sollte sich am Standard orientieren. 

Leichte oder Einfache Sprache: Was brauche ich?

Das entscheidet Ihre Zielgruppe. Leichte Sprache auf Niveau A1 bis A2 richtet sich an Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und Lernschwierigkeiten. Einfache Sprache auf Niveau B1 bis B2 erreicht Menschen mit geringer Lesekompetenz und Deutsch als Zweitsprache. Viele Organisationen bieten beides an. 

Muss ich die ganze Website in Leichte Sprache übersetzen?

In der Regel nicht. Die BITV 2.0 verlangt von öffentlichen Stellen des Bundes auf der Startseite Erläuterungen in Leichter Sprache, unter anderem zu den wesentlichen Inhalten und zur Navigation. Sinnvoll ist ein Einstieg über die meistgelesenen Seiten und die häufigsten Standardschreiben, weil dort die meisten Rückfragen entstehen. 

Wie lange dauert eine Übersetzung in Leichte Sprache?

Bei externer Beauftragung meist mehrere Tage bis Wochen, je nach Auslastung des Büros und je nachdem, ob eine Prüfgruppe eingebunden wird. Mit KI-gestützter Übersetzung wie summ.ai entsteht der Entwurf in Sekunden, die verbleibende Zeit fließt in die fachliche Prüfung. 

Was ist die DIN SPEC 33429?

Der erste einheitliche Standard für Leichte Sprache in Deutschland, veröffentlicht im März 2025 vom DIN e.V. und gefördert vom BMAS. Sie ist kostenlos als barrierefreies PDF erhältlich. Es handelt sich um eine Empfehlung, nicht um eine verbindliche DIN-Norm. Eine Fassung in Leichter Sprache ist in Arbeit.