Jeder kennt das Gefühl: Man liest einen Brief vom Amt, eine Versicherungsklausel oder eine Datenschutzerklärung und versteht nur Bahnhof. Für Millionen Menschen ist das kein gelegentliches Ärgernis, sondern Alltag. Leichte Sprache und Einfache Sprache setzen genau hier an. Beide wollen Texte zugänglich machen. Aber sie sind nicht dasselbe. Wer den Unterschied kennt, erreicht die richtigen Menschen mit der richtigen Stufe und baut echte Barrieren ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Leichte Sprache ist die stärker vereinfachte, streng geregelte Form, etwa auf A1- bis A2-Niveau, für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder kognitiven Einschränkungen.
- Einfache Sprache ist flexibler und liegt näher an der Standardsprache, etwa auf B1-Niveau. Sie richtet sich an ein breites Publikum.
- Für Leichte Sprache gilt seit 2025 die DIN SPEC 33429:2025-03, für Einfache Sprache die DIN 8581-1 und die DIN ISO 24495-1:2024-03.
- Beide Stufen ergänzen sich. Wer alle erreichen will, braucht meist beide.
Was ist Leichte Sprache?
Leichte Sprache ist eine besonders geregelte Form der deutschen Sprache. Sie wurde entwickelt, damit Menschen mit Lernschwierigkeiten, kognitiven Einschränkungen oder sehr geringer Lesekompetenz Informationen selbstständig verstehen können. Dahinter steht eine einfache, große Idee: Jeder Mensch hat das Recht, die Dinge zu verstehen, die das eigene Leben betreffen.
Charakteristisch sind:
- sehr kurze, einfache Hauptsätze, oft nur eine Aussage pro Satz
- geläufige Wörter statt Fach- und Fremdwörter; schwere Wörter werden erklärt
- eine klare Struktur mit sichtbaren Absätzen, oft ein Satz pro Zeile
- unterstützende Bilder, die das Verstehen erleichtern
Die Regeln der Leichten Sprache sind seit März 2025 erstmals einheitlich beschrieben: in der DIN SPEC 33429:2025-03 „Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache“. Sie wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert und unter Beteiligung von Menschen mit Lernschwierigkeiten erarbeitet. Es handelt sich dabei um eine Empfehlung, nicht um eine verbindliche Norm. Sie dient aber als Qualitätsmaßstab und als Kriterium bei Ausschreibungen. Ergänzend prägen das Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache e.V. und der BMAS-Ratgeber die Praxis.
Was ist Einfache Sprache?
Einfache Sprache ist eine verständliche Form der Standardsprache. Sie richtet sich an Menschen, die lesen und schreiben können, aber mit komplizierten Satzstrukturen oder Fachsprache überfordert sind, etwa bei geringer Lesegewohnheit, im höheren Alter oder beim Deutschlernen.
Im Vergleich zur Leichten Sprache lässt Einfache Sprache mehr Spielraum. Auch hier gibt es Regeln, sie sind aber weniger streng:
- die internationale Norm DIN ISO 24495-1:2024-03 mit vier Grundsätzen: Relevanz, Auffindbarkeit, Verständlichkeit und Anwendbarkeit
- die DIN 8581-1, die diese Grundsätze konkret für das Deutsche festlegt
Leichte Sprache vs. Einfache Sprache im direkten Vergleich
| Kriterium | Leichte Sprache | Einfache Sprache |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Menschen mit Lernschwierigkeiten, kognitiven Einschränkungen | breite Leserschaft, zum Beispiel bei geringer Lesekompetenz oder Deutsch als Zweitsprache |
| Vereinfachung | sehr stark, streng geregelt | moderat, flexibler |
| Satzbau | ein Gedanke pro Satz | kurze Sätze, Nebensätze erlaubt |
| Sprachniveau | etwa A1 bis A2 | etwa B1 |
| Bilder | fester Bestandteil | optional |
| Regelwerk | DIN SPEC 33429:2025-03, Netzwerk Leichte Sprache e.V. | DIN ISO 24495-1, DIN 8581-1 |
Beispiel: derselbe Satz in drei Stufen
Originaltext: „Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an unsere Service-Hotline.“
Einfache Sprache: „Haben Sie noch Fragen? Rufen Sie unsere Service-Hotline an.“
Leichte Sprache: „Sie haben noch Fragen? Dann rufen Sie uns an. Die Telefon-Nummer ist: 0800 12 34 56.“
Man sieht: Es geht nicht darum, Menschen etwas wegzunehmen. Es geht darum, dass die Information ankommt.
Wann brauche ich welche Stufe?
Eine einfache Faustregel:
- Leichte Sprache, wenn Menschen mit Lernschwierigkeiten oder kognitiven Einschränkungen die Zielgruppe sind, etwa bei Verwaltungsleistungen, in der Wohlfahrtspflege oder bei existenziell wichtigen Mitteilungen.
- Einfache Sprache, wenn Sie ein breites Publikum verständlich erreichen wollen, ohne die maximale Vereinfachung der Leichten Sprache, etwa bei allgemeinen Webinhalten oder in der Kundenkommunikation.
Wichtig: Einfache Sprache ersetzt Leichte Sprache nicht. Sie lässt mehr Komplexität zu und schließt damit genau die Menschen aus, die auf die stärkste Vereinfachung angewiesen sind. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Ist Einfache Sprache genug?.
Wo werden Leichte und Einfache Sprache eingesetzt?
Verständliche Sprache gewinnt in immer mehr Bereichen an Bedeutung: in der öffentlichen Verwaltung, bei sozialen Trägern, im Gesundheits- und Versicherungswesen, an Gerichten sowie in Bildungs- und Kultureinrichtungen. Überall dort, wo Kommunikation ankommen soll, schaffen Leichte und Einfache Sprache Zugang, Vertrauen und Teilhabe.
Rechtlich sind beide Stufen fest verankert. Das Behindertengleichstellungsgesetz und die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung verpflichten öffentliche Stellen zu barrierefreier Kommunikation. Seit dem 28. Juni 2025 nimmt zudem das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz viele private Unternehmen in die Pflicht. Einen verständlichen Überblick geben wir im Beitrag Ist Leichte Sprache Pflicht?.
Leichte und Einfache Sprache auf Knopfdruck
Beide Stufen von Hand zu erstellen, ist zeit- und kostenintensiv. Genau dafür gibt es das KI-Übersetzungstool für Leichte Sprache von summ.ai: Es übersetzt komplexe Texte auf Knopfdruck in Leichte und Einfache Sprache – schnell, im eigenen Haus und mit Werkzeugen zur Nachbearbeitung, Glossarverwaltung und KI-Bebilderung. Die sprachlichen Regeln übernimmt summ.ai, die inhaltliche Kontrolle bleibt bei Ihnen.
In einer 60-minütigen Demo zeigen wir Ihnen, wie das mit Ihren eigenen Texten funktioniert.
Häufige Fragen
Ist Leichte Sprache dasselbe wie Einfache Sprache?
Nein. Leichte Sprache ist stärker vereinfacht und streng geregelt, etwa auf A1- bis A2-Niveau. Einfache Sprache ist flexibler und richtet sich an ein breiteres Publikum, etwa auf B1-Niveau.
Für wen ist Leichte Sprache gedacht?
Vor allem für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder kognitiven Einschränkungen. Auch ältere Menschen und Menschen, die Deutsch lernen, profitieren.
Welche Regeln gelten für Leichte Sprache?
Seit März 2025 beschreibt die DIN SPEC 33429:2025-03 erstmals einheitliche Empfehlungen. Ergänzend gelten das Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache e.V. und der BMAS-Ratgeber.
Welche Norm gilt für Einfache Sprache?
International die DIN ISO 24495-1:2024-03, für das Deutsche die DIN 8581-1.
Reicht Einfache Sprache aus, um barrierefrei zu kommunizieren?
Nicht immer. Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen ist oft Leichte Sprache nötig.